Musiklandschaft Schweiz

Musiklandschaft Schweiz

Klänge und Töne haben Menschen schon lange vor der Schrift erzeugt. Musik zu hören, zu spielen und zu erschaffen ist ein menschliches Grundbedürfnis. Die Schweizer Musikbranche macht dies mit vielen Akteurinnen und Akteuren möglich: von Musikschaffenden über Radiosender und Konzertveranstalter bis zu Rechteverwertern und Förderorganisationen.

Wie Musik genutzt wird 

Musik gehört zu den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen: Sie hat eine wichtige Funktion in der Gemeinschaft, in Kultur, Religion und Politik, im Privaten wie in der Wirtschaft. Rund um den Globus hören Menschen pro Woche fast 21 Stunden Musik 1)– Tendenz steigend. Musik begleitet sie bei mehr als 40 Aktivitäten des Alltags: während sie Auto fahren, sich ausruhen, im Internet surfen, gamen, im Haushalt arbeiten, zur Arbeit pendeln oder auch ein Bad nehmen.2)

Musik hören alle. In der Schweiz tun dies privat fast 98 Prozent der Bevölkerung; sei es am Radio, via Streaming oder gespeichert auf dem Handy, auf CD oder Schallplatte. 3) Gut zwei Drittel der Bevölkerung besuchen zudem auch Musikveranstaltungen und Konzerte, allerdings waren es vor der Pandemie noch etwas mehr. Und nicht zuletzt wird Hintergrundmusik zum Beispiel in Einkaufszentren, Parkhäusern, Restaurants, Liften, Flughäfen oder in Warteschleifen von Telefonhotlines gespielt. 

98% der Bevölkerung hört privat Musik

2/3 der Bevölkerung besuchen Musikveranstaltungen und Konzerte.

Musik ist aus dem Alltag nicht wegzudenken – doch in den letzten zehn Jahren hat sich die Art des Musikhörens tiefgreifend verändert. Der wichtigste Kanal ist weiterhin das Radio: Rund 80 Prozent der Bevölkerung hören hier Musik. Doch seit 2014 hat es um 10 Prozentpunkte verloren. An zweiter Stelle steht heute das Musikstreaming über Bezahl- oder Gratisplattformen: 47 bzw. 57 Prozent der Bevölkerung konsumieren so Musik. Gut 47 Prozent hören auf Handy oder PC gespeicherte Musik. Regelrecht eingebrochen ist in den letzten zehn Jahren der Verkauf von CDs oder DVDs: von 74 Prozent im Jahr 2014 auf 29 Prozent im Jahr 2024. 4)

Und: was gehört wird, ist heute nicht mehr nur eine Frage von Angebot und Auswahl. Immer mehr entscheiden Algorithmen der Streaming-Plattformen über den Zugang zur Musik und zu Songs: Nicht das Angebot entscheidet, sondern die Auffindbarkeit. Als Folge davon werden bereits erfolgreiche Titel noch mehr propagiert, während lokale oder sprachlich weniger verbreitete Musik nur schwer an die Hörerschaft gelangt. Das betrifft die mehrsprachige Schweizer Musikszene besonders. 5)

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1)
IFPI, «Engaging with music», 2023, S. 7. 
2)
IFPI, «Engaging with music», 2023, S. 13. 
3)
Bundesamt für Statistik, Kultur- und Freizeitverhalten in der Schweiz, S. 16.
4) Bundesamt für Statistik, Kultur- und Freizeitverhalten in der Schweiz, S. 16.
5) Schweizer Musikrat, Medienmitteilung vom 1. Juni 2026.

Quelle (Vorlage Grafik und Daten): Bundesamt für Statistik, Kultur- und Freizeitverhalten in der Schweiz, Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur (ESRK) 2024 und Entwicklungen seit 2019 und 2014, publiziert 14. Nov. 2025 (Erhebung alle fünf Jahre). 

Musik wird je nach Altersgruppe und Bevölkerungsschicht unterschiedlich konsumiert. Junge bis 29 Jahre nutzen zu über 80 Prozent zahlungspflichtige Streaming-Plattformen. Gespeicherte Musik etwa auf dem Smartphone wird zu 50 Prozent von mittleren Altersgruppen gehört, während etwas über 40 Prozent der über 60-Jährigen noch CDs benützen. Über alle Altersgruppen immer noch relativ ausgeglichen vertreten ist das Radio als Musikkanal. 6)

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6) Bundesamt für Statistik, Kultur- und Freizeitverhalten in der Schweiz, S. 16.

Quelle (Vorlage Grafik und Daten): Bundesamt für Statistik, Kultur- und Freizeitverhalten in der Schweiz, Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur (ESRK) 2024 und Entwicklungen seit 2019 und 2014, publiziert 14. Nov. 2025 (Erhebung alle fünf Jahre). 

Verändert hat sich auch der Besuch von Konzerten in den letzten zehn Jahren. Stilrichtungen wie Rock, Pop, Blues oder Jazz werden häufiger gehört, und das vor allem von jüngeren Generationen. Im Gegensatz dazu haben klassische Konzerte und Oper seit der Pandemie an Terrain verloren – und sie werden, wie auch traditionelle Schweizer Musik, von älteren Bevölkerungsgruppen bevorzugt. 7)

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7) Bundesamt für Statistik, Kultur- und Freizeitverhalten in der Schweiz, S. 16.

Quelle (Vorlage Grafik und Daten): Bundesamt für Statistik, Kultur- und Freizeitverhalten in der Schweiz, Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur (ESRK) 2024 und Entwicklungen seit 2019 und 2014, publiziert 14. Nov. 2025 (Erhebung alle fünf Jahre). 

Die Player der Musikbranche

Die Musikbranche in der Schweiz und weltweit ist ein Geflecht aus vielen Akteurinnen und Akteuren: Kunstschaffende, Produzierende, Vermarkter und Rechteverwerter. Neben den aktiv Musikschaffenden, freischaffend wie angestellt, gehören etwa Produktions- und Vermarktungsgesellschaften dazu, nationale und globale Musiklabels, Rechteverwerter und Musikfördergesellschaften sowie viele Interessenverbände. 

Die grösste Interessenvertretung der Branche ist der Schweizer Musikrat: Er zählt 57 Mitgliedsorganisationen und mehr als 600'000 aktiv Musizierende. Mitglied ist auch der Branchenverband der Schweizer Musiklabels IFPI Schweiz, welcher nationale Vertriebsgesellschaften wie auch internationale Konzerne wie Universal Music, Sony oder Warner vertritt. Urheber- und Nutzungsrechte der Musikschaffenden werden von drei Gesellschaften verwertet: Im Bereich Komposition und Texte von der Genossenschaft SUISA, im Bereich Musikinterpretation vom Verein SWISSPERFORM und die Société Suisse des Auteurs (SSA) vertritt die Rechte an Opern und Musicals. 

Musikförderorganisationen sind unter anderem die Fondation SUISA, die Schweizerische Interpretenstiftung SIS, die Stiftung Phonoproduzierende oder das Kulturprozent der Migros, aber auch die Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR. Auch Bund, Kantone und Städte fördern Musik, insbesondere die Kulturstiftung Pro Helvetia. 

Die Musikbranche ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Gesamteinnahmen der Schweizer Musik- und Radiobranche erreichten im Jahr 2024 fast 1,4 Milliarden Franken, 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr. 8) Darin eingeschlossen sind Ausgaben für digitale und physische Musikaufnahmen, Live-Musik und dessen Sponsoring, Radiogebühren und Radiowerbung.

Auch die Wertschöpfung von Konzerten, Festivals und Musikshows ist bedeutend: Im Jahr 2025 wurden an über 3000 Veranstaltungen mit bis zu einer Viertelmillion Besucherinnen und Besucher direkt und indirekt gut 500 Millionen Franken umgesetzt. 9) Engagiert waren rund 4500 Künstlerinnen und Künstler, davon ein Drittel aus der Schweiz. 

Der Schweizer Tonträgermarkt, der Streaming-Abonnements und Verkäufe von physischen Tonträgern wie CDs oder Schallplatten umfasst, hat im Jahr 2025 einen Gesamtumsatz von knapp 259 Millionen Franken erreicht, 4 Prozent mehr als 2024.10) Der Markt wird heute vom Streaming bestimmt: Es dominiert mit 92 Prozent des Gesamtumsatzes den Schweizer Tonträgermarkt. Nach einem Tiefpunkt im Jahr 2015, bedingt durch die digitale Disruption, ist er in zehn Jahren um 79 Prozent gewachsen. Im Jahr 2025 sind die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent auf CHF 237 Millionen angestiegen. Physische Tonträger wie CD und Schallplatten kamen noch auf einen Umsatz von 14 Millionen Franken, der Download von Musik auf 7 Millionen Franken.

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8) Price Waterhouses Coopers, Swiss Entertainment & Media Outlook 2025−2029, S. 22.
9) SMPA-Index 2025. Zum Umsatz werden neben Ticketeinnahmen auch Sponsoring oder Catering gezählt. 
     Die SMPA-Mitglieder setzen rund 80% der in der Schweiz verkauften Konzert-, Show- und Festivaltickets ab.
10) IFPI Schweiz, Schweizer Musikmarkt 2025, Medienmitteilung 27. März 2026.

  • Lorenz Haas, Geschäftsführer IFPI Schweiz

    «Die Musikindustrie hat sich als sehr widerstandsfähig erwiesen und ihre Rolle als Vorreiterin in der technologischen Entwicklung der Kulturwirtschaft ausgebaut. In den letzten Jahren sind neue Einnahmen aus Social Media hinzugekommen, und seit etwa zwölf Monaten haben zahlreiche Musiklabels damit begonnen, Lizenzverträge für KI-Nutzungen abzuschliessen.» 

    Fotocredit??

Quelle: IFPI Schweiz, Schweizer Musikmarkt 2025, Medienmitteilung 27. März 2026. https://www.ifpi.ch/post/schweizer-musikmarkt-2025-wachstum-setzt-sich-fort

Wie Musik entsteht

Obwohl Musik im Alltag jedes Menschen nicht wegzudenken ist, kann Musik nur mit materieller und immaterieller Unterstützung und Förderung geschaffen werden. Angesichts der Bedeutung wird Musik deshalb auch vom Bund gefördert. So hat die öffentliche Hand im Jahr 2023 den Bereich «Musik und Theater» mit 827 Millionen Franken unterstützt. Der Hauptteil von 470 Millionen Franken wurde von den Gemeinden bestritten, und hier vor allem von den grossen Städten: Genf unterstützte diesen Kulturbereich mit 128 Millionen Franken, gefolgt von Zürich mit 97 Millionen Franken.11)

Ein gewichtiger Förderer von Musik ist die Stiftung Pro Helvetia. Von den 44,5 Millionen Franken, die Pro Helvetia 2025 zur Verfügung standen, wurden 86,9 Prozent direkt in die Förderung von Kulturaktivitäten investiert. Die Sparte Musik wurde mit ?? Millionen Fr. gefördert. Von insgesamt 7235 Fördergesuche betrafen 1365 den Bereich Musik.12)

Doch trotz des Milliardenmarktes ist die Situation der meisten Musikschaffenden schwierig. Ihre Arbeit ist von kurzfristigen Engagements geprägt, und in Bereichen wie Pop, Rap oder Elektro wird das kreative Schaffen nur lückenhaft gefördert.13) Ihre Arbeit wird gleichzeitig komplexer und anforderungsreicher: Sie müssen sich zum Beispiel heute auch um die digitale Promotion in den sozialen Medien und um audiovisuelle Webauftritte kümmern.

Freischaffende Musizierende kämpfen mit Niedrigstlöhnen und müssen ihre Existenz oft mit mehreren Jobs sichern.14) Existierende Honorarrichtlinien werden in der Praxis nicht immer angewendet, und ihre Altersvorsorge ist schlecht. In einer nichtrepräsentativen Studie gaben 67 Prozent der selbständigen Kulturschaffenden an, mit einem Jahreseinkommen von unter 40'000 Franken leben zu müssen. 15)

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11) BfS, Kulturausgaben der Städte und Kulturfinanzierung durch die öffentliche Hand, Datenstand 2023.
12) Pro Helvetia, Jahresbericht 2025.
13) Kulturbotschaft 2025 bis 2028, Kapitel 4.2.6 Musik. 

14) Sonart, Webkommentar, abgerufen 12. Juli 2026.
15) Ecoplan, Soziale Absicherung von Kulturschaffenden, S. 3.

Das Wertschöpfungsnetzwerk der Musikindustrie

Die klassische Wertschöpfungskette der Musikindustrie wird heute im Zuge der digitalen Transformation immer mehr durch ein Wertschöpfungsnetzwerk ersetzt. Musizierende sind nicht mehr auf Distributoren angewiesen, sondern können ihre Kreationen direkt über digitale Kanäle verteilen und die klassische Vermarktung über Labels und Agenten selbst übernehmen.

 

1KreationTexten, Komposition, Interpretation
2Aufnahme im StudioProduktion und Tontechnik
3ProduktionTonbearbeitung, Mixing und Mastering
4VermarktungMarketing, Werbung zur Förderung der Musik durch Verlage und Agenten.
5DistributionMusik wird zu den Kanälen geführt: physisch auf CDs und Vinyl durch Logistiker, durch Aggregatoren auf digitalen Plattformen oder durch Konzerte.
6Verkauf/KonsumGenerierung von Einnahmen durch Streaming, Ticketverkäufe und Lizenzen, allenfalls Merchandising.
7RechteverwertungVerwertungsgesellschaften (SUISA, SWISSPERFORM, SSA) stellen sicher, dass Urheberschaft und Interpretinnen und Interpreten bei jeder Nutzung vergütet werden. 
Mit der Rechteverwertung schliesst sich der Kreis zur Kreation.