News

Mittwoch, 12. August 2009

Schwyzerörgeli trifft auf Tablas

Beim Filmfestival Locarno stand für einmal die Musik im Rampenlicht. Auch der Tag des Schweizer Films war ganz der Filmmusik gewidmet. In diesem Rahmen verlieh die SUISA-Stiftung für Musik zum 10. Mal den mit 10'000 Franken dotierten Filmmusik-Preis. Ausgezeichnet wurde der Zürcher Komponist Marcel Vaid für den Score zum Spielfilm «Tandoori Love» (D/CH, 2008).

Der Regisseur Oliver Paulus erzählt in «Tandoori Love» die Liebesgeschichte zwischen einer Schweizer Kellnerin und dem indischen Leibkoch einer Bollywood-Diva im Berner Oberland, dem Schauplatz zahlreicher Bollywood-Produktionen. «Marcel Vaid hat es verstanden, die indischen und die schweizerischen Facetten dieser Konstellation in Musik zu fassen, ohne dabei in Klischees oder Kitsch zu verfallen», begründete die Jury den Entscheid. Mit dem Preis würdigte sie auch das breite Schaffen Vaids, das in mehreren aktuellen Filmproduktionen zu hören ist.

Marcel Vaid hatte sich trotz oder gerade wegen seiner indischen Wurzeln bislang der Musik aus der Heimat seines Vaters verschlossen. «Mit diesem Film habe ich mich der indischen Musik geöffnet. Zuerst wollte ich den Score eigentlich nicht schreiben. Doch dann habe ich angefangen zu recherchieren und mich in diese Musik vertieft. Schweizer Folklore mit indischer Musik zu verbinden, ohne dem Kitsch zu verfallen, das war eine grosse Herausforderung», bestätigt Vaid. Bei «Tandoori Love» ist die Musik fester Bestandteil des Films. Für die Tanzszenen im Bollywood-Stil wurde die Musik vorproduziert, und diese Szenen wurden wie eigentliche Musicclips gedreht: Regie, Choreografie und Kamera gehen ganz auf die Musik ein. Vaid musste den Filmscore um die bestehenden Songs komponieren und die Musik so ineinander verweben, dass eine Einheit entstand. Ihm war wichtig, dass die Musik nicht fremd und künstlich wirkt, wie dies in Bollywood-Filmen oft der Fall ist. Dies ist ihm auf überzeugende und erfrischende Weise gelungen. «Intellektualisieren Sie diesen Film nicht. Lehnen Sie sich zurück und geniessen Sie den Film», forderte der Regisseur das Publikum vor der Vorführung in Locarno auf. Dass dies bei dieser Liebeskomödie so einfach gelingt, ist nicht zuletzt der Musik zu verdanken.

Informationen zum Film

 

Zu Marcel Vaid
Marcel Vaid (1969) lebt und arbeitet in Zürich als freischaffender Musiker und Komponist für Film und Theater. Er studierte Gitarre an der Akademie für zeitgenössische Musik in Zürich und arbeitet heute unter anderem mit Sophie Hunger, Markus Schönholzer, Marianne Schroeder, Heidi Happy, Jürg Jecklin, Rajesh Roy, dem Weshalb-Forellen-Quartett und dem Schriftsteller Daniel Goetsch. Er ist der Kopf des elektroakustischen Experimentalkollektivs Superterz.

Auszug aus seiner Filmografie:

  • «Annegret» von Paul Riniker, 2010
  • «Stories for Friends Who Kiss» von David Pinillos, 2010
  • «Die Standesbeamtin» (mit Markus Schönholzer) von Micha Lewinsky, 2009
  • «Zara» von Ayten Mutlu Saray, 2009 – ausgezeichnet mit dem Schweizer Filmpreis Quartz für die beste Filmmusik 2009
  • «Der Freund» (mit Sophie Hunger) von Micha Lewinsky, 2008
  • «Un dia y nada» von Lorenz Merz, 2008
  • «Das Paar im Kahn» (Kommissar Hunkeler) von Marie-Louise Bless, 2004
  • «Joshua» von Andreas Müller, 2002 – Prix pour la meilleure création musicale am European Filmfestival Premiers Plans, Angers 2003

http://www.marcelvaid.com/

Das Engagement der SUISA-Stiftung für Musik

Oft ist es erst die Musik, die eine besondere filmische Stimmung oder Aussage verständlich macht. Trotzdem erhalten die Filmkomponisten selten die ihnen zustehende Aufmerksamkeit. Deshalb rief die SUISA-Stiftung für Musik im Jahr 2000 den Filmmusik-Preis ins Leben mit dem Ziel, die Filmproduzenten auf das reichhaltige Filmmusikschaffen in der Schweiz aufmerksam zu machen. Anlässlich der 10. Preisvergabe ist ein CD-Sampler mit Auszügen aus Filmmusiken aller Preisträger erschienen. Dieser wurde in Locarno dem Fachpublikum abgegeben.

Die bisherigen Preisträger

  • Alex Kirschner – «Irrlichter»
  • Niki Reiser – «Kalt ist der Abendhauch»
  • Stephan Massimo – «Lastrumer Mischung»
  • Balz Bachmann – «Little Girl Blue»
  • Philippe Héritier – «Agathe»
  • Vincent Gillioz – «God’s Waiting List»
  • Balz Bachmann und Peter Bräker – «Jeune Homme»
  • Peter Scherer – «Marmorera»
  • Jérôme Baur – «Les petites vacances»
  • Marcel Vaid – «Tandoori Love»

Informiert bleiben

SUISAblog

Newsletter

Die Stiftung der SUISA

FONDATION SUISA

Mint Digital Services

mint services